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Mythen Barrierefreiheit

Das sind die 4 größten Mythen zum Testing der digitalen Barrierefreiheit

geschrieben von Janina

Das Thema der digitalen Barrierefreiheit war noch nie so präsent wie aktuell. Ab 2025 gilt ein EU-weites Gesetz zur Regulierung der digitalen Teilhabe. Eine gute Zeit also, um mit den häufigsten Irrtümern rund um barrierefreies Entwickeln und Testing aufzuräumen. 

Ab Juni 2025 wird die digitale Barrierefreiheit verpflichtend für alle Web- und App-Betreiber. Im Barrierefreiheitsstärkungesgesetz (BFSG) sind genaue Anforderungen an digitale Anwendungen formuliert (Was genau euch durch das Gesetz erwartet, haben wir euch in unserem Blogartikel zusammengefasst). Aus QA Perspektive beschäftigen wir uns schon lange mit dem Thema und wenden verschiedene Testingmethoden an, um auch die Barrierefreiheit als Qualitätsaspekt unserer Partner*innen abzudecken. In unseren Gesprächen zum Thema stoßen wir immer wieder auf Mythen und Irrtümer. Hier kommen die vier häufigsten False Facts zum Thema Accessibility Testing zusammengefasst.

 

Mythos 1: Die Gestaltung einer barrierefreien Website ist zu aufwendig und zu teuer!

Bei der barrierefreien Entwicklung müssen nicht zwangsläufig mehr Kosten anfallen. Wenngleich durch die zusätzlichen Anforderungen im Vergleich zur herkömmlichen Softwareentwicklung eine andere Planung erfolgen sollte.

Steigen die Kosten bei der barrierefreien Entwicklung liegt das häufig an folgenden Gründen:

  • Komplexität der Implementierung: Die Integration von Barrierefreiheitsfunktionen erfordert zusätzliche Programmierung und Designarbeit, zum Beispiel um Alternativen für Texte oder Bilder hinzuzufügen, Tastaturnavigation zu ermöglichen oder Schnittstellen für Bildschirmleseprogramme zu optimieren.

  • Mangelnde Expertise: Im Entwicklungsteam sind spezielle Kenntnisse über Barrierefreiheitsstandards und –techniken erforderlich.

  • Accessibility Testing: Barrierefreie Software muss sorgfältig und unter anderen Standards getestet werden, um sicherzustellen, dass sie für Menschen mit Behinderungen funktionieren. Dies erfordert oft zusätzliche Ressourcen und Zeit.

Barrierefreie Website

Demgegenüber stehen jedoch ebenso viele Gründe, warum die barrierefreie digitale Entwicklung nicht unbedingt teurer sein muss:

  • Frühe Integration: Werden barrierefreie Prinzipien von Anfang an in den Entwicklungsprozess einbezogen, können zusätzliche Kosten vermieden werden.

  • Wiederverwendbare Lösungen: Einmal entwickelte barrierefreie Funktionen können oft an verschiedenen Stellen Einsatz finden.

  • Standardisierung: Die Einhaltung von Barrierefreiheitsstandards kann die Entwicklung effizienter gestalten. Indem das Entwicklungsteam diese Standards kennt und implementiert, kann auf bewährte Methoden zurückgegriffen werden, was die Entwicklungskosten senken kann.

  • Effizienteres Design: Barrierefreie Designs zielen darauf ab, die Benutzererfahrung für alle User zu verbessern, nicht nur für Menschen mit Behinderung. Ein gut gestaltetes, barrierefreies Interface kann die Benutzerfreundlichkeit allgemein erhöhen und potenziell die Anzahl der User steigern.

  • Ganzheitliche QA: Eine umfassende Testingstrategie in Kombination von manuellen, automatisierten und User Tests bezieht die Aspekte der Barrierefreiheit ein. Gefundene Fehler fließen so unmittelbar in die Entwicklung ein und können so langfristig Zeit- und Kosten sparen.

Insgesamt kann die barrierefreie digitale Entwicklung also nicht nur kosteneffizient sein, sondern auch langfristige Vorteile für Unternehmen bieten, einschließlich einer größeren Benutzerbasis, verbesserter Benutzerfreundlichkeit und Risikominimierung.

Um dir einen ersten Überblick über die digitale Barrierefreiheit deiner Website zu machen, kannst du eine erste Prüfung deiner URL mit unserem kostenlosen WCAG-Quick Check durchführen.

 

Mythos 2: Digitale Barrierefreiheit ist nur wichtig aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen.

Auch wenn es ab Juni 2025 eine gesetzliche Regelung für digitale Barrierefreiheit geben wird, sollte die Einhaltung des Gesetzes nicht der ausschlaggebende Grund sein, um eine inklusive Anwendung bereitzustellen. Von einer möglichst barrierearmen Gestaltung profitieren User und Unternehmen gleichermaßen. Mehr Menschen erhalten Zugang und sind am Ende von der Qualität des Produkts überzeugt. Daneben betrifft die digitale Barrierefreiheit nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung.  Alle Menschen profitieren von barrierefreien Webseiten oder Apps und einer einfachen und verständlichen Handhabung digitaler Produkte.

 

 

Mythos 3: Digitale Barrierefreiheit ist ein einmaliger Prozess.

Wer jetzt denkt, man gestaltet seine Website oder App einmal barrierefrei und hat dann für immer Ruhe vor dem Thema, hat sich getäuscht. Zur Gewährleistung digitaler Barrierefreiheit muss diese regelmäßig überprüft werden. Gegebenenfalls müssen Inhalte angepasst oder Schulungen besucht werden, um sicherzustellen, dass alle Inhalte weiterhin barrierefrei zugänglich sind.

 

Mythos 4: Digitale Barrierefreiheit kann man auch noch kurz vor Release hinzufügen.

Es ist empfehlenswert, Barrierefreiheitstests auch schon im Entwicklungsprozess zu integrieren, um Verstöße gegen gesetzliche Vorschriften zu umgehen.

Hierfür kannst du folgende Tipps beachten:

  • Frühzeitige Planung

  • Schulung der Entwickler*innen in Barrierefreiheitsstandards

  • Automatisierte Tests in die CI/CD-Pipeline integrieren

  • Regelmäßige Überprüfungen in Code-Reviews

  • Einbindung von Nutzer*innen mit Behinderungen in den Entwicklungsprozess

Du hast Fragen zum Thema digitale Barrierefreiheit? Gerne beraten dich unsere Expert*innen unverbindlich und helfen dir, weitere Mythen zu entschlüsseln.